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Ich bin fest davon überzeugt, dass Unternehmen nur dann erfolgreich sein können, wenn sie ein Team fantastischer Mitarbeiter haben, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und die gleiche Mission anstreben: Sie möchten etwas aufbauen, das von Bedeutung ist – und vor allem etwas, das für sie persönlich von Bedeutung ist. Beim Aufbau von Azimo, einem Unternehmen, das sich vor allem an die Anforderungen von Migranten richtet, war mir daher klar, dass Vielfalt ein zentrales Element von Azimo sein wird.

Nach einem Jahr mit überwiegend negativen Schlagzeilen über die Migration und endlosen Diskussionen über einen möglichen Brexit haben wir eine YouGov-Studie in Auftrag gegeben, um die Wahrheit hinter diesen Schlagzeilen ans Licht zu bringen – mit überraschend positiven Ergebnissen: Die Mehrzahl der jungen Briten zwischen 18 und 24 Jahren findet, dass Migranten im Grunde einen erheblichen Teil zur britischen Wirtschaft beitragen.

Und sie haben natürlich recht! Laut dem britischen Centre for Entrepreneurs wurden 464.527 britische Unternehmen – oder anders ausgedrückt, jedes siebte britische Unternehmen – von zugewanderten Unternehmern gegründet oder mitbegründet. Diese Unternehmen beschäftigen insgesamt mindestens 1,16 Millionen Menschen. Das sind doch mal positive Schlagzeilen über Migranten!

Aber das ist noch nicht alles: Forschungsergebnisse des University College London (UCL) zeigen, dass europäische Migranten bei Weitem keine Belastung für die britischen Staatsfinanzen sind. Vielmehr ist es so, dass sie mehr Steuern zahlen, als sie an staatlichen Leistungen in Anspruch nehmen. Dieser Beitrag, der auf jährlich 2 Mrd. GBP geschätzt wird, trägt dazu bei, das britische Wirtschaftswachstum zu fördern.

Die Studie zeigt zudem, dass 60 % der neuen Migranten aus West- und Südeuropa Absolventen einer Universität oder Fachhochschule sind. Bei den Migranten aus Osteuropa beträgt dieser Anteil 25 % – und entspricht damit der Zahl der Hochschulabsolventen der in Großbritannien geborenen Arbeitskräfte. Tatsächlich ist es so, dass Großbritannien von allen EU-Staaten die höchste Zahl an akademisch ausgebildeten Migranten anzieht, die im britischen Finanzsektor und in der Technologiebranche arbeiten möchten.

Doch trotz dieser beeindruckenden Zahlen sind manche Menschen leider immer noch nicht überzeugt. Wie die dunkle Seite der YouGov-Studie ans Licht brachte, sind nur weniger als die Hälfte der Befragten über 40 Jahre (43 Prozent) der Meinung, dass Migranten irgendeinen Beitrag zu unserer Wirtschaft leisten. Daher ist es sicherlich hilfreich, diesen Skeptikern einmal aufzuzeigen, wo Großbritannien heute ohne ein wenig Unterstützung aus dem Ausland stehen würde.

Technologiesektor

Eine gesunde Migration kurbelt die Innovation in Schlüsselindustrien an, vor allem in der Technologiebranche. Man muss sich nur die Start-up-Szene im Technologiesektor ansehen und wird feststellen, dass viele dieser Unternehmensgründer Migranten sind – auch ich persönlich gehöre dazu (ich komme aus Polen, falls es Sie interessieren sollte). In den letzten zwei Jahren konnte Azimo einen enormen Personalzuwachs verzeichnen. Wir beschäftigen heute 90 Mitarbeiter und gehören zu den am schnellsten wachsenden FinTech-Unternehmen in Europa. Auch wenn Azimo in London ansässig ist, wurden 38 % unserer fantastischen Mitarbeiter im Ausland geboren. Diese Tatsache hilft uns, die verschiedenen Kulturen und Hintergründe, mit denen wir jeden Tag zu tun haben, besser zu verstehen, und gibt uns als Team Halt. Und natürlich sind wir nicht die einzigen. Auch die Unternehmensgründer von Citymapper, YPlan und Farfetch kamen einst nach Großbritannien, haben Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen aufgebaut und dabei auch jede Menge Arbeitsstellen geschaffen. Selbst Steve Jobs, die Ikone der Technologiebranche, wurde als Sohn eines politischen Flüchtlings aus Syrien geboren.

Gesundheitswesen

Schätzungen zufolge wurden 30 Prozent der Ärzte und 40 Prozent der Krankenpfleger, die im NHS, dem staatlichen Gesundheitssystem Großbritanniens, tätig sind, im Ausland geboren. Portugal, Spanien und die Philippinen gehören hierbei zu den größten „Lieferanten“ für Arbeitskräfte. Möglicherweise stellen die Migranten für den angeschlagenen NHS eine Belastung dar, aber ohne die enorme Zahl an ausländischen Arbeitskräften gäbe es den NHS vermutlich heute gar nicht mehr. Und wer kümmert sich eigentlich um die Pflege der immer älter werdenden britischen Bevölkerung? Fast jede fünfte Pflegekraft in Großbritannien kommt heute aus dem Ausland, in London sind es sogar 60 Prozent.

Bildungswesen

Im Zeitraum von November 2013 und November 2014 haben 49.120 Lehrer in Großbritannien ihren Beruf aufgegeben – das ist der höchste Ausstieg aus dem Lehrerberuf seit Beginn der Aufzeichnungen. Wo sollen die neuen Lehrer also herkommen? Einen Hinweis darauf gibt uns die folgende Meldung auf der Website des britischen Bildungsministeriums (Department for Education DfE): „Kommen Sie aus dem Ausland und möchten in einem erstklassigen Bildungssystem mit ausgezeichneten Aufstiegsmöglichkeiten als Lehrkraft arbeiten? Dann könnte eine Lehrtätigkeit in Großbritannien das Richtige für Sie sein.“

Hochschulbildung

Auch wenn britische Universitäten vielleicht die Aushängeschilder Großbritanniens sind, darf man heutzutage nicht mehr davon ausgehen, hier nur auf „einheimische“ Studierende zu treffen. Tatsache ist, dass viele dieser Institutionen heute vermutlich finanziell ruiniert wären, wenn sie keine ausländischen Studenten aufnehmen würden. So stammen beispielsweise 40 % der Studenten von Saint Andrews, der ältesten Universität Schottlands und der drittältesten Universität in der englischsprachigen Welt, aus dem Ausland. Ohne diese Studenten hätte für Saint Andrews sicherlich die Stunde schon geschlagen.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie hart ich – selbst eine Migrantin – für mein Geld arbeiten musste. Und daher vergesse ich nie, wie hart auch die Kunden von Azimo arbeiten – ganz gleich, ob sie Ihnen Getränke servieren, Ihren Blutdruck messen, Ihre Kinder unterrichten, Ihre Großtante pflegen oder im Büro nebenan ein Tech-Start-up leiten. Ich besinne mich immer darauf, dass es bei Azimo nicht immer nur ums Geld geht, sondern und vor allem auch um Menschen. Glücklicherweise scheinen die meisten Briten der gleichen Meinung zu sein.

Ursprüngliche Veröffentlichung: Huffington Post – 21.03.2016