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Aus Anlass des Internationalen Frauentages 2016 widmet sich die Azimo-Beitragsreihe über Frauen in Führungspositionen der Geschlechterthematik – von Inspirationen und Erfolgsgeschichten bis hin zu Frustrationen am Arbeitsplatz. Diese Woche sprechen wir mit Dora Ziambra, unserer Leiterin Geschäftsentwicklung.

Was ist Ihre Funktion bei Azimo? Wie kamen Sie zu diesem Unternehmen?

Meine offizielle Stellenbezeichnung ist Leiterin Geschäftsentwicklung, aber meine Funktion entwickelt sich ständig weiter, weil Azimo so schnell wächst. Ich sage immer, meine Aufgabe ist einfach: Ich kümmere mich um die Vergrößerung und Verbesserung des Unternehmens. Das heißt, ich bin an allem beteiligt – von strategischen Projekten und der Finanzbeschaffung bis hin zur internationalen Expansion. Meine Karriere begann ich in einem traditionellen Finanzdienstleistungsunternehmen und wechselte dann vor ein paar Jahren in die Finanztechnologie.

Glauben Sie, dass Frauen in Ihrem Unternehmen gut vertreten sind?

Frauen sind in diesem Unternehmen sehr gut vertreten – 38 % der Beschäftigten bei Azimo sind weiblich, das liegt weit über dem Branchendurchschnitt. Marta Krupinska, unsere Geschäftsführerin und Mitbegründerin des Unternehmens, ist eine dynamische Kraft in der FinTech-Branche. Darüber hinaus arbeiten bei uns weitere, außerordentlich leistungsfähige Frauen im ganzen Unternehmen, sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Krakau. 

Und wie sieht es in der FinTech-Branche insgesamt aus?

Die FinTech-Branche hat sich aus dem Finanzdienstleistungssektor heraus entwickelt, der traditionell sehr stark von Männern dominiert wurde. Die Geschlechterfrage bleibt daher auch weiterhin ein branchenweites Problem. Auf dem Börsenparkett, wo der Druck, „einer der Jungs“ zu sein, mitunter sehr stark war, fand ich definitiv die bisher größte Herausforderung in meiner Karriere. Viele Unternehmen beginnen aber damit, dem Beispiel von Azimo zu folgen, und die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung.

Inwieweit hat sich die Gleichstellung der Geschlechter Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren verbessert?

Der Fortschritt in den letzten Jahren war beachtlich. Im Gegensatz zu meiner Großmutter und sogar zu meiner Mutter war ich in der Lage, weitaus fortschrittlichere Lebensentscheidungen zu treffen, die sich weit von dem unterschieden, was man als die „traditionelle“ Rolle betrachtet. Gleichzeitig muss man jedoch anmerken, dass es bis zur vollständigen Gleichstellung noch ein langer Weg sein wird. 

In welchen Bereichen ist der Fortschritt Ihrer Meinung nach stehen geblieben?

In Bezug auf leitende Positionen ist der Fortschritt definitiv stehen geblieben – die Anzahl an Frauen in Vorständen und Führungspositionen der obersten Ebene ist immer noch enttäuschend niedrig. Besorgnis erregend ist, dass der Fortschritt auch zu Hause stehen geblieben ist. Obwohl mehr und mehr Frauen einen akademischen Abschluss absolvieren und immer mehr Frauen erwerbstätig werden, sind sie immer noch für 80 % der Arbeit außerhalb der Büros verantwortlich – für den Haushalt, die Kindererziehung und die Pflege älterer Verwandter. 

Warum geht die Veränderung am Arbeitsplatz langsamer vonstatten als anderswo?

Ich glaube, die größte psychologische Barriere hinsichtlich der Gleichstellung am Arbeitsplatz ist eine unbewusste Voreingenommenheit. Wenn sich die Menschen – und ich beziehe hierbei sowohl Frauen als auch Männer ein – auf tief verwurzelte soziale und geschlechtsspezifische Klischees verlassen, um blitzartig Entscheidungen zu treffen, dann kann eine Geschlechterdiversität einfach keinen Erfolg haben. 

Wie könnten Arbeitsplätze in Bezug auf die Geschlechtergleichstellung verbessert werden?

Indem sie tatsächlich gleichgestellt werden! Frauen und Männer müssen im Hinblick auf Gehalt, Zusatzleistungen, berufliche Entwicklungschancen und Freizeit gleich behandelt werden. Außerdem muss die Regierung die Schul- und Kinderbetreuung überdenken – die Schulen müssen während der normalen Geschäftszeiten durchgehend geöffnet bleiben.

Welches ist Ihrer Meinung nach das wichtigste Geschlechterproblem, dem die Frauen im Vereinigten Königreich heute gegenüberstehen?

Das ist unbewusste Voreingenommenheit, zweifellos. Sie ist das wichtigste Problem, dem die Frauen gegenüberstehen, weil es so tief in den Menschen verwurzelt ist und sich nur äußerst schwer ändern lässt. Kürzlich habe ich auf Facebook über das Problem unbewusster Voreingenommenheit geschrieben, und wer hat auf den Beitrag reagiert? 11 Frauen, aber nur ein Mann. Bis sich die öffentliche Wahrnehmung ändert, liegt also möglicherweise noch ein langer Weg vor uns! 

Was war der beste Rat, den man Ihnen jemals gegeben hat und den Sie heute jungen Frauen geben möchten?

Der beste Rat, den ich jemals erhalten habe, war: „Hab keine Angst vor Misserfolgen“. Viel zu häufig im Leben streben Frauen danach, in jeder erdenklichen Weise perfekt zu sein, um den traditionellen Geschlechterklischees zu entsprechen. Wir sollten aber nicht versuchen, uns an ein Klischee anzupassen, das andere für uns erdacht haben.

Glauben Sie, dass UN-Sonderbotschafterinnen wie Emma Watson dazu beigetragen haben, die öffentliche Meinung dort zu ändern, wo es wirklich darauf ankommt?

Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass sich so berühmte Persönlichkeiten wie Emma Watson zum Thema Geschlechtergleichstellung äußern. Ich glaube aber auch, dass wir mehr Vorbilder aus dem gesamten sozialen Spektrum brauchen. Die Unternehmen müssen mehr Frauen in hohen und niedrigen Positionen einstellen, denn das wird wiederum zu einem höheren Geschlechtervertrauen führen. Und letztlich müssen wir, um die öffentliche Meinung dort zu ändern, wo es wirklich darauf ankommt, Jungen und Mädchen so erziehen, dass sie eine Geschlechtergleichstellung respektieren. 

Sie sind eine erfolgreiche Unternehmerin. Welche anderen Frauen in der Unternehmenswelt haben Sie besonders inspiriert?

Monica Brand war für mich eine echte Inspiration. Obwohl sie eine überaus erfolgreiche Investorin und Unternehmerin ist, ist sie doch sehr bodenständig und zugänglich. Sie ist ein großartiges Vorbild und hat gerade einen neuen Fonds für Investitionen in Start-ups eingerichtet, der die finanzielle Eingliederung in Schwellenmärkten fördern soll. Ich habe auch vor Kurzem ein Buch über großartige Erfinder gelesen, in dem ein Kapitel der Mathematikerin Ada Lovelace, der „Countess of Computing“‘ gewidmet ist. Ihre Lebensgeschichte ist faszinierend: Sie war eine viktorianische Vorreiterin des Computerzeitalters und stellt für alle Frauen im Technikbereich heute eine Symbolfigur dar.