Handelsblatt Jahrestagung Banken im Umbruch in Frankfurt am Main am 31.08.2016 copyright: Marc-Steffen Unger

Kürzlich war ich in Frankfurt, um an der 21. Handelsblatt Jahrestagung teilzunehmen. Das diesjährige Thema lautete ‘Banken im Umbruch’. Die Tagung war wie immer sehr gut besucht und mehre hochrangige Persönlichkeiten aus dem Bankensektor hielten während des zwei-Tage Events ihre Reden. Darunter unter anderem John Cryan (CEO der Deutschen Bank), Martin Zielke (CEO der Commerzbank) und François Villeroy de Galhau (Ratsmitglied der europäischen Zentralbank).

Ich hatte die Ehre, Azimo auf dieser Tagung repräsentieren zu dürfen. Es war eine wunderbare Gelegenheit, der Bankenwelt zu zeigen, was unser Unternehmen schafft. Und wie es uns gelingt, die Art, wie Menschen Geld ins Ausland versenden, zu verbessern. Außerdem war es für mich, als eine der wenigen anwesenden FinTech Repräsentanten, faszinierend, einen Blick darauf zu bekommen, wie große europäische Banken versuchen ihre Industrie zu retten.

EZB-Bashing

Auf dem Podium wurde sich von Seiten der Bankenwelt viel über die aktuelle Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) beschwert. Sowie über die negativen Auswirkungen von extrem niedrigen Zinssätzen auf die Rentabilität von Banken. ‘EZB Bashing’ war der übergreifende Tenor aller Reden – mit der offensichtlichen Ausnahme jener von Monsieur Villeroy de Galhau. Hiermit wurde natürlich ein ziemlich wichtigen Punkt angesprochen, aber die EZB ist nicht der einzige Grund, warum der Bankensektor seit der Finanzkrise 2008 so in der Kritik steht.

Handelsblatt Jahrestagung - Banken im Umbruch

Digitale Verzögerung

Jeder auf der Konferenz sprach über die Bedeutung davon, Bankdienstleistungen zu digitalisieren. Für jemanden wie mich jedoch, die seit drei Jahren in der FinTech Branche arbeitet, erschien das alles ein wenig halbherzig und auch ein bisschen spät. Setzen die Banken wirklich erst jetzt die Digitalisierung ihrer Dienste ganz oben auf ihre Tagesordnung? Ich habe vor fast einem Jahrzehnt aus erster Hand den Wandel vom Analogen zum Digitalen in den Kapitalmärkten mitbekommen. Daher wirkten diese Gespräche reichlich befremdlich und verspätet auf mich.

Überraschenderweise gab es auch eine Menge Diskussionen über die Bedeutung der Bankfilialen, die mir sehr kurzsichtig erschienen. Ich bin mir sicher, dass es immer einen Bedarf an Flagship Stores (siehe Apple, Louis Vuitton, usw.) und gewöhnlichen Offline-Läden geben wird. Aber wenn man das Kaufverhalten von Millennials betrachtet – nach einer Avoka Umfrage aus diesem Jahr würden 71 % von ihnen lieber zum Zahnarzt gehen, als eine Bankfiliale zu besuchen – wirkt es wie keine gute Langzeitstrategie, sich all zu sehr auf die Filialen zu konzentrieren.

Wo sind die Frauen?

Handelsblatt Speakers

Von insgesamt 53 Sprechern waren nur drei Frauen – ich selbst, JP Morgan Dorothee Blessing und die Virgin Money-CEO Jayne-Anne Gadhia (um das Ganze noch schlimmer zu machen, konnte Jayne-Anne nicht persönlich teilnehmen und war nur via einer Skype-Aufzeichnung in schlechter Qualität anwesend). Das bedeutet, dass nur 0.56 % der Vortragenden weiblich waren – was für ein schlechter Schnitt! Um das in ein anderes Verhältnis zu setzen: bei Azimo sind über ein Drittel der Mitarbeiter Frauen.

Mir ist bewusst, dass wir weit davon entfernt sind, in der Finanzbranche ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen zu Männern zu erreichen. Aber zumindest bei einer solchen repräsentativen Veranstaltung muss es uns doch möglich sein, es besser zu machen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gab einer der Vortragenden auch noch einen ziemlich sexistischen Kommentar zum Besten. Aber ich schätze, ich war sowieso eine der wenigen Personen im Raum, die ihn als solchen erkannten.

Handelsblatt Jahrestagung - Banken im Umbruch

Innovator’s Dilemma

Auf der Konferenz ging es viel um die Krise, in der sich der Bankensektor befindet, und wie diese durch innovativere Gestaltung überwunden werden könnte. Mein Rat lautet: Weg von der Herdenmentalität, bei der jeder gleich aussieht, gleich klingt, sich gleich verhält und gleich denkt – Das macht es schwer auf neue Ideen zu kommen und diesen Ideen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten. Um Erin Meyer zu zitieren, einen bekannten Autor und Professor für Organisational Behaviour an der INSEAD: “Je diverser das Team ist, desto größer ist das Potential für Innovation.”

Das ist ein klassisches Beispiel für das Innovator’s Dilemma. Aber wie der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Konferenzrede deutlich machte: Wenn man nicht nach den Sternen greift, ist man sowieso schon so gut wie tot. Ich bin froh, dass ich es nach Frankfurt geschafft habe und die Möglichkeit hatte, der Bankenwelt beim Diskutieren ihrer Zukunft zuzuhören. Aber ich bin auch sehr froh, wieder zurück bei Azimo zu sein und mich weiter diesem Sternen-Greifen aktiv widmen zu können.

Dora Ziambra, Head of Business Development, Azimo